Spenden: Garantiert für gute Zwecke

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Wirklich bedürftige Menschen, garantiert seriöse Hilfsorganisationen? Oder Abzocker, vielleicht sogar organisierte Banden? Wer mit Spenden Gutes tun will, sollte sich vorher größtmögliche Klarheit verschaffen.

Text: Eva Neuthinger

Fälle aus dem Jahr 2023: In Sinsheim warben Betrüger auf einem Supermarktparkplatz um Spenden für eine Organisation, die es nicht gibt – den Landesverband für behinderte und taubstumme Kinder. Im Landkreis Gifhorn versuchten selbst ernannte Beauftragte des Wohlfahrtsverbands AWO, Geld für die Erdbebenopfer in der Türkei zu sammeln. Im Kreis Euskirchen erbaten angebliche Zirkusmitarbeiter Geldspenden für hungrige Tiere.

Deutschland ist ein Land der Spender

Katastrophenopfer, Kinder mit Handicap, Tiere in Not: Das weckt Mitgefühl, das erreicht die Herzen der Menschen. Es sind aber auch Klassiker, mit denen Spendenbetrüger Kasse machen wollen. Dabei treffen sie auf große Hilfsbereitschaft. Deutschland ist ein Land der Spender: Laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) betrug das Spendenvolumen 2022 rund 12,9 Milliarden Euro. Nicht erfasst sind dabei die vielen Barspenden an Obdachlose und andere Hilfsbedürftige.

Rein rechtlich sieht es so aus: Um Spenden bitten darf in Deutschland jeder, ob auf der Straße, an der Haustür, per Briefpost oder per elektronischen Medien. Eine behördliche Genehmigung ist lediglich in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Thüringen erforderlich. In allen anderen Bundesländern wurde die Regelung abgeschafft, um den Aufwand speziell für die anerkannten gemeinnützigen Organisationen gering zu halten. Spendensammler müssen sich lediglich an die Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch und an das Ordnungsrecht halten.

Vorsicht auf der Straße und an der Tür

Die meisten Menschen, die allein sammeln, bitten um Geld für sich selbst. Wie groß deren Not wirklich ist, können Sie als Spender höchstens erahnen. Also müssen Sie sich auf Ihre Menschenkenntnis verlassen. Die 5 Euro für den Obdachlosen, die dieser vielleicht nicht in Ihrem Sinne verwendet: Damit können Sie im Zweifel leben.

Anders bei größeren Beträgen und bei Sammlungen für bestimmte Zwecke. Hier laute die Grundregel, so das LKA Niedersachsen: „Generell sollte kein Geld an unbekannte Personen oder Organisationen übergeben oder gespendet werden.“ Hilfe für eine von bekannten Personen verantwortete lokale Initiative, Hilfe für überregionale und anerkannt gemeinnützige Organisationen: Da ist das Risiko gering.

12,9 Milliarden Euro wurden in Deutschland 2022 für gemeinnützige Zwecke gespendet. 1,01 Milliarden Euro wurden dabei allein für die Ukrainehilfe gegeben.

Ansonsten allerdings sollten Sie eine Spendenbitte höflich ablehnen – gegebenenfalls mit dem Hinweis, dass Sie Ihre Spende nach Prüfung von zu Hause aus und über die offizielle Homepage der Organisation tätigen. „Seriöse Sammler werden letztlich Verständnis haben“, sagt Claudia Gerstmann, Spendenberaterin beim DZI. Falls nicht, haben Sie erst recht alles richtig gemacht. Denn Betrüger fallen oft durch Aufdringlichkeit oder aggressives Verhalten auf. Die Polizei rät in diesen Fällen: Abstand halten, keinesfalls das Portemonnaie herausholen. Wer anhaltend belästigt wird, sollte andere Passanten um Hilfe bitten oder die Polizei rufen.

Siegel sichert Seriosität

Recherchieren Sie also immer in Ruhe, wie seriös der Spendensammler ist. Dabei hilft das DZI in Berlin, eine unter anderem vom Berliner Senat und dem Bundesfamilienministerium geförderte Stiftung, die die Verwendung von Spendengeldern prüft. Das DZI vergibt ein Spendensiegel, wofür die spendensammelnden Organisationen ein freiwilliges Prüfverfahren durchlaufen.

Direkt an die Empfänger-Organisation spenden

„Das Siegel steht unter anderem für eine funktionierende Leitung und Aufsicht der Organisation, für eine wirksame und sparsame Verwendung der Spendengelder, für faire und ethische Spendenwerbung und für eine aussagekräftige und geprüfte Rechnungslegung“, so Gerstmann. Das DZI hilft weiter, wenn man an eine noch nicht bekannte Organisation spenden möchte und wissen will, wie sie im Detail ­arbeitet. Unter www.dzi.de hat es dazu eine Datenbank eingerichtet.

Wenn die Entscheidung gefallen ist: Am besten ist es, direkt zu spenden und nicht über eines der Internetspendenportale, die eine Vielzahl von Projekten präsentieren. Die Stiftung Warentest untersuchte die Arbeitsweise der Plattformen und berichtete über verschiedene Mängel. Darüber hinaus verlangen die Portale Gebühren. Der Rat der Stiftung Warentest: „Wählen Sie besser eine konkrete Spendenorganisation statt eines Spendenportals. Dort bekommen Sie selten Unterstützung bei der Auswahl eines Projekts und wenig Auskunft über die Verwendung der Gelder.“

Spenden wird steuerlich belohnt

Einige Spenden können steuermindernd geltend gemacht werden. In diese Kategorie fallen Spenden an Vereine, Stiftungen und andere Einrichtungen, die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken im Sinne der Abgabenordnung dienen und dies dem Finanzamt nachweisen. Erkennen lässt sich die Gemeinnützigkeit an Hinweisen wie „Spenden sind steuerbegünstigt“ oder „gemeinnützig im Sinne der §§ 51 ff. der Abgabenordnung“.

Spenden für steuerbegünstigte Zwecke sind bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben absetzbar. Voraussetzung ist in der Regel eine von der Organisation ausgestellte Zuwendungsbestätigung. Bei Spenden bis zu 300 Euro reicht dazu der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung in Verbindung mit einem Beleg der Empfängerorganisation.

Fotos: dpa/Picture Alliance