Singapur kann mehr sein als ein Stopover-Ziel auf dem Weg nach Bali oder Australien. Es wäre schade, an einem halben Tag durch den Stadtstaat an der Südspitze Malaysias zu hetzen, der doch so viel zu bieten hat. Wer nicht nur die Highlights abklappern, sondern auch Insidertipps ausprobieren möchte, sollte sich einige Tage Zeit nehmen für diese kontrastreiche Metropole. In der S-Reisewelt finden Sie tolle Angebote für Städtereisen nach Singapur.
Autor: Robert Leuthauser
Der Inselstaat Singapur ist klein und deshalb für eine kurze Städtereise bestens geeignet. Aber es ballen sich eben auch viele Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum. Kaum eine Metropole verbindet futuristische Architektur sowie grüne Oasen und Parks mit einer der abwechslungsreichsten Streetfood-Szenen der Welt so charmant wie die ehemalige britische Kronkolonie. Perfekt also für einen Kurztrip, der sich ganz nach Gusto zum XL-Trip ausbauen lässt. Doch der Reihe nach.
In Singapur leben Chinesen, Inder und Malaien. Sie haben ihre eigene Religion und Kultur, was den Ministaat zu einem spannenden Schmelztiegel macht. Im Gegensatz zu New York City, der Stadt, die niemals schläft, wird der Alltag der Menschen nicht von Hektik bestimmt, doch er findet im Spannungsfeld zwischen Ost und West, Tradition und Moderne statt. Der Erfolg gibt dem Inselstaat recht. Er lockt Menschen aus der ganzen Welt an: Einwanderer, die in Singapur leben und arbeiten wollen, aber auch rund zehn Millionen Touristen pro Jahr, die nur kurz bleiben.
Frühstück bei Raffles
Nicht wenige beginnen ihr Sightseeing-Programm mit einer historischen Tour oder einem Frühstück im legendären Raffl es Hotel. Der Kolonialprachtbau aus dem 19. Jahrhundert ist zum einen bekannt für den angeblich hier erfundenen Singapore Sling, einen Cocktail, der auf keiner Barkarte dieser Welt fehlen darf. Zum anderen trifft sich im Raffles Hotel die feine Gesellschaft – very British – am Nachmittag zum High Tea im eleganten Tiffin Room. Hermann Hesse, Joseph Conrad, Rudyard Kipling, Somerset Maugham, Charlie Chaplin, Elizabeth Taylor, Michael Jackson, Königin Elisabeth II.: Sie alle haben hier schon fluffige Scones mit Clotted Cream und Gurkensandwiches genossen. Wem das Frühstück im Raffl es zu teuer oder zu versnobt erscheint, der findet schnell eine Alternative. Die Einheimischen beginnen den Tag ganz bescheiden mit einer Tasse lokalem Kopi (Kaffee) oder Teh (Tee). Dazu essen sie über Holzkohle gegrillte Brotscheiben mit Butterflocken und einem Aufstrich namens Kaya, einer schmackhaften Konfitüre aus Kokosnuss, Eiern und Zucker.
Von Prachtbauten und Garküchen
Danach geht es ans Kalorienverbrennen. Ein Spaziergang durch das Kolonialviertel bietet sich dafür bestens an. Der Weg führt vorbei an der St. Andrew’s Cathedral, am Victoria Theatre mit der Konzerthalle und dem Fullerton Hotel. Dieses neoklassizistische Wahrzeichen aus dem Jahr 1928 wurde vor zehn Jahren zum Nationaldenkmal erklärt und beherbergte einst Singapurs Hauptpost, die Börse, die Handelskammer und den noblen Singapore Club. Direkt gegenüber beginnt der Merlion-Park mit dem Wahrzeichen der Stadt, der wasserspeienden Merlion-Statue: halb Fisch, halb Löwe, 70 Tonnen schwer, mehr als acht Meter hoch. Der Löwenkopf steht für den malaiischen Namen Singapura („Löwenstadt“), während der Fischkörper die Anfänge Singapurs als Fischerdorf repräsentiert. Zur Mittagszeit empfiehlt sich der Besuch eines Hawker Centre, eines Markts mit unzähligen Garküchen, in denen stets frische Zutaten verarbeitet werden. Immer eine gute Wahl: Satayspieße oder Hainan Chicken Rice. Das letztere Gericht ist heute fest in der malaiischen Küche verankert, stammt aber, wie der Name schon sagt, aus dem Süden Chinas. Insidertipp: Nachts verwandelt sich die angrenzende Boon Tat Street in eine kulinarische Open-Air Meile, auf der es die besten Satayspieße ganz Singapurs gibt.
Beste Aussichten und Lichtspiele
Allmählich wird es jedoch Zeit, sich einen Überblick über den faszinierenden Stadtstaat zu verschaffen. Es gibt dafür mehrere Optionen, aber eines der besten Panoramen bietet das Marina Bay Sands Sky Park Observation Deck. Die Aussicht auf die Skyline raubt einem schlicht den Atem – vor allem dann, wenn man sich in der Bar Cé La Vi auf der Dachterrasse einen frühen Drink genehmigt. Apropos chillen: Um den Tag entspannt ausklingen zu lassen, empfiehlt sich ein Abstecher zur Marina Bay Waterfront im Herzen von Singapur. Dort befinden sich die Gardens by the Bay, deren futuristische Supertrees und Flower Domes abends spektakulär illuminiert sind. Aber auch ohne dieses Spektakel sind die mehr als 100 Hektar großen Gärten mit ihren fantasievollen Skulpturen ein echtes Highlight.

Chinatown, Buddha und Little India
Am folgenden Tag geht es auf Erkundungstour durch die von verschiedenen Ethnien geprägten Viertel der Stadt. Beim Bummel durch Chinatown steigt einem der Duft von gebratenen Nudeln und Jasmintee in die Nase. Wenn es dann stärker nach Räucherstäbchen riecht, weiß man, dass der Buddha Tooth Relic Temple nicht mehr weit sein kann. Mit seiner sündhaft teuren goldenen Pagode gilt er als einer der schönsten Singapurs. Praktischerweise liegt der kleine, aber sehenswerte Sri-Mariamman-Tempel, der älteste Hindutempel der Stadt, direkt gegenüber.
In Little India sollte man sich einfach treiben lassen. Wer in Shoppinglaune ist, besucht das Mustafa Centre, ein gleichermaßen chaotisches wie faszinierendes 24-Stunden-Kaufhaus. Weiter geht es ins Viertel Kampong Glam – bekannt für seinen kontrastreichen Mix aus arabischer Kultur und Hipsterflair. Die goldglänzende Sultan-Moschee ist hier das begehrteste Fotomotiv, die Haji Lane mit ihren Graffitiwänden, Boutiquen und Cafés das kreative und intellektuelle Herz des Viertels. Fazit: Viele Reiseziele nehmen für sich in Anspruch, eine Destination voller Kontraste zu sein. „Asien für Anfänger“ wird Singapur oft genannt, weil es so westlich, so vertraut wirkt. Dabei gibt es vieles zu entdecken, das auch Profis überraschen dürfte.

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